Der LandCruiser J9 - oder doch nicht?

Vorab mal ein wenig Info zum Landcruiser J9:
Dieser gehört nur im mitteleuropäischen Raum zu den LandCruisern, in GB heißt er Colorado, in den USA und in Australien heißt er Prado und in Südamerika Meru. Dort gibt es überall auch heute noch den 4Runner, der in Europa nicht serienmäßig erhältlich ist. Mit diesem aber hat der J9 (fahrwerks-technisch) eine große Ähnlichkeit.
Gemeinsam haben sie vorne eine Einzelradaufhängung, wegen der er wohl im Rest der Welt nicht zu den LandCruisern gezählt wird. In Europa wollte man sich die Bekanntheit dieser Bezeichnung wohl nicht entgehen lassen, vor allem, da in Europa mit Geländewagen eher seltener ins Gelände gefahren wird. Als Beispiel hat Wien die höchste Geländewagendichte (inkl. SUV's) in Österreich, obwohl nur sehr wenige Chayennes und Tuaregs jemals mehr als einen Waldweg zu bestreiten bekommen.
Also ist unter der Rubrik "Landcruiser" im unendlichen Internet eher nicht der J9 zu finden (ausser auf deutschen Seiten). Da sucht man am besten nach "Prado 90", 4Runner der 3. Generation (96-02) und teilweise nach FJ-Cruiser.

Höher ist das Ziel:

Fahrwerkshöherlegungen gibt es beim J9 in den verschiedensten Varianten. Die einfachste (aber auch teuerste und eintragungsfähig) ist die Höherlegung mittels neuer Federn und Stoßdämpfer. Durch die vordere Einzelradaufhängung ist aber bei maximal 6,5 cm (2 1/2 ") Schluss. Mehr geht nur mit weiteren Umbauten an der vorderen Aufhängung. Diese Kit's kosten dann schon ca. 3000 US-$ aufwärts. Damit sind aber auch 15-20 cm Höherlegung drin, dass einem das in Deutschland oder Österreich eingetragen wird bezweifle ich aber mal.
Nächste Möglichkeit ist der Einbau von Spacern, die wohl billigste Methode, aber sicher nicht die beste für's Gelände. Hier werden die Stoßdämpfer und Federn weiterverwendet (obwohl hinten neue Stoßdämpfer zu empfehlen sind, zB. Seriendämpfer für vorne vom J80). Hier gibt es passende Kit's zB. für den FJ-Cruiser, diese passen auch am J9, schon ab 80 US-$ für eine Höherlegung um 2", also ca. 5 cm. Da noch die Serienfedern verbaut bleiben ändert sich am Fahrverhalten nicht wirklich etwas, im Gegensatz zur Verwendung von neuen Federn und Dämpfern, die das Fahrwerk generell etwas härter und unkomfortabler machen.

Zusätzlich zu den bereits beschriebenen Varianten kann man auch die Karosserie mittels eines Body-Lifts höherlegen. Hier gibt es Kit's von 1"-3" (2,5-7,5 cm), diese kosten für den 3.Generation 4Runner für 1" ab 120 US-$ aufwärts. Diese Kits enthalten 10 Blöcke und Schrauben sowie eine Distanzscheibe für die Lenkung. Die Montagepunkte für die Stoßstangen und den Kühler müssen nur neu gebohrt werden bzw. können sehr leicht selber hergestellt werden. Inwieweit diese Metoden eingetragen werden können entzieht sich meiner Kenntnis, obwohl Fahrzeuge anderer Hersteller mit Body-Lifts auf unseren Straßen unterwegs sind.

 

Und warum? Größere Reifen!

Der eigentliche Grund das Fahrzeug höher zu legen ist es, größere Reifen montieren zu können, da das, zumindest bei Fahrzeugen mit Starrachsen, der einzige Weg ist die Bodenfreiheit zu erhöhen. OK, man könnte auch andere Achsen verbauen, zB solche wie bei den Unimogs von Merzedes, wo die Achse über dem Radmittelpunkt liegt, aber das dürfte wohl so ziemlich jedes "Hobbyschrauberbudget" übersteigen, und einzutragen wird das wohl auch nicht wirklich sein.

Also, größere Reifen: Beim J9 sind ohne weitere Arbeiten Reifen in der Größe 265/75R16 oder 235/86R16 auf Serienfelgen möglich, eine Tachoangleichung ist dabei nicht erforderlich.

Ich finde, die 265 sehen besser aus, die 235 sind aber im Gelände die bessere Wahl. Wenn man jetzt auch noch MT (Mud-Terrain) Reifen aufzieht, die von der Profiltiefe ca 16-18mm mitbringen sind die Reifen nochmal etwas höher. So bekommt man schnell mal 3-5 cm mehr Bodenfreiheit zusammen als mit abgefahrener Serienbereifung. Bei meinen derzeitigen Winterreifen (235/70R16) sind es noch mehr.
Preislich bewegt man sich bei den beiden Dimensionen (265 und 235) auf dem gleichen Niveau (€140 aufwärts), erwartungsgemäß sind hier runderneuerte Reifen etwas billiger(€90-120), halten aber laut Erfahrungsberichten nicht so lange wie Neureifen (ich kann das nicht bestätigen). Da ab Ende 2012 alle neu verkauften Reifen lt. EU eine eigene Kennzeichung mittels Labels wie Elektrogeräte (Stromverbrauch) haben müssen, die Rollwiderstand, Nassbremsverhalten und Abrollgeräusch mit einem einfachen Buchstabencode anzeigen, wird sich dann eh zeigen, ob die runderneuerten Reifen offiziell schlechtere Werte bekommen. Ich tendiere jedenfalls zu den runderneuerten.